Beate Stieber: Herr Dr. Ramtin, Sie sind Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und stellvertretender Leiter des Departments für Elektrophysiologie im St. Franziskus-Hospital in Münster. Für die Defi-Liga engagieren Sie sich seit Jahren ehrenamtlich als Mitglied im medizinischen und wissenschaftlichen Beirat. Wenn Sie während der Tagung oder bei Gesprächskreisen über Defis, Elektroden und Herzelektrik sprechen, tun Sie dies mit großem Engagement. Was liegt Ihnen bei den Gesprächen mit Patientinnen und Patienten besonders am Herzen? Was wird auch immer wieder an Sie herangetragen?
Dr. med. Shahram Ramtin: Mir ist vor allem wichtig, dass die Menschen keine Angst vor ihrem Defibrillator haben. Natürlich muss man auch über mögliche Probleme sprechen – auch wenn sie selten sind. Aber der zentrale Punkt ist: Dieses Gerät soll Sicherheit geben, nicht Angst machen.
Beate Stieber: Merken Sie denn, dass genau diese Angst ein großes Thema ist? Also, dass viele Menschen erst einmal mit Sorge hierherkommen?
Dr. med. Shahram Ramtin: Ja, absolut. Gerade bei neuen Patientinnen und Patienten ist die Unsicherheit oft sehr groß. Bei denen, die schon länger dabei sind, sieht man aber, dass die Angst mit der Zeit nachlässt, weil sie wissen: Der Defi schützt mich. Trotzdem bleibt bei vielen eine gewisse Sorge bestehen – und genau deshalb sind die Arbeitskreise, die als offene Gesprächsrunden angelegt sind, so wichtig.
Beate Stieber: Wenn Sie einen ganz persönlichen Rat geben müssten – was würden Sie Patientinnen und Patienten mit auf den Weg geben?
Dr. med. Shahram Ramtin: Ganz klar: Die regelmäßigen Kontrollen nicht vergessen. Es passiert schnell, dass man denkt: „Mir geht’s gut, ich habe keine Probleme, also muss ich nicht mehr hin.“ Aber gerade die Kontrollen sind entscheidend. Und auch das Vertrauen zum Kardiologen spielt natürlich eine große Rolle.
Nun habe ich aber auch eine Frage an Euch, Beate und Klaus: Ihr seid ja selbst Betroffene beziehungsweise Angehörige und macht anderen seit Jahren Mut. Was motiviert euch eigentlich, hier aktiv zu sein?
Klaus Lampenschulten: Ich bin nicht selbst betroffen, sondern Angehöriger. Und bei der der Defi-Liga legt man viel Wert darauf, dass Angehörige beachtet werden und ihre Sorgen und Ängste auch angehört werden. Ich hatte anfangs viele Fragen, auf die ich anderswo keine Antworten bekommen habe. Bei der Defi-Liga konnte ich diese Fragen stellen – und habe Antworten bekommen. So wie mir, geht es sicher vielen – und das hat mich motiviert, selbst aktiv zu werden und mich einzubringen.
Beate Stieber: Das kann ich total nachvollziehen. Bei mir war es ähnlich. Ich bin damals frisch als Defi-Trägerin hierhergekommen und wurde unglaublich gut aufgefangen. Diese Unterstützung hat mir sehr geholfen. Und nach ein, zwei Jahren hatte ich das Gefühl: Ich möchte etwas zurückgeben. Mein Engagement ist zu einer echten Herzensangelegenheit geworden. Ich bekomme weiterhin Unterstützung – und gleichzeitig kann ich selbst für andere da sein. Das gibt mir unglaublich viel.
Klaus Lampenschulten: Ja, genau so geht es mir auch. Dieses Geben und Nehmen – das ist eigentlich das, was die Arbeit hier so besonders macht.

