Klaus Lampenschulten: Frau Dr. Gebauer. Die Identifikation von Risikofaktoren ist der erste Schritt zur gezielten Vorbeugung von Herzkreislauf-Erkrankungen. Gibt es so etwas wie die Big Five Risikofaktoren, die man genauer betrachten sollte?

Dr. Katrin Gebauer: Ja, das passt sehr gut zu meinem Vortrag, diese Risikofaktoren gibt es. Dazu zählt die arterielle Hypertonie, das Rauchen, Diabetes mellitus, Übergewicht und natürlich auch die Bewegung. All dies sind wichtige Risikofaktoren, die man selbst beeinflussen kann und die auch jeder für sich einmal überprüfen sollte. Habe ich die und kann ich da noch was verbessern?

Klaus Lampenschulten: Welche praktischen Maßnahmen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen halten Sie im Sinne von Patientinnen und Patienten für besonders wirksam und alltagstauglich?

Dr. Katrin Gebauer: Die Alltagstauglichkeit ist absolut essenziell. Denn das, was mir nicht im Alltag geläufig ist, was ich nicht integriere, mache ich gar nicht. Körperliche Aktivität ist das A und O. Fünfmal die Woche mindestens 30 Minuten körperlich aktiv sein, so dass der Puls nach oben geht und dass man einmal ins Schwitzen kommt – damit hat man schon so viel erreicht. Hinzu kommt eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung, die am besten auf der mediterranen Diät basiert. Das heißt: vor allen Dingen Gemüse und Salate, gesunde Öle und auch Nüsse beispielsweise. Das ist das, was man als allererstes tun kann. Und natürlich nicht rauchen. Das sind die drei Hauptfaktoren, die man selbst beeinflussen kann. Alles andere geht schon in Richtung Krankheitsbehandlung: Hypercholesterinämie, Diabetes oder arterielle Hypertonie. Diese Faktoren sind auch wichtig, gehören aber in der Regel in die Hände des Arztes oder der Ärztin.

Klaus Lampenschulten: Gab es im Arbeitskreis Aspekte zum Thema, die Sie überrascht haben?

Dr. Katrin Gebauer: Ich fand es sehr sinnvoll, die Frage zu stellen, ob Frauen eine Hormonersatztherapie bekommen sollen, um ihr kardiovaskulären Risiko zu senken. Mittlerweile weiß man ja, dass nach der Menopause auch das Herz Kreislauf Risiko für Frauen ansteigt. Das ist ein Feld, das noch etwas näher beforscht werden sollte – gerade, weil die Frauengesundheit in klinischen Studien häufig unterrepräsentiert ist. Leider werden viele Studien nur mit männlichen Probanden gemacht und man stülpt dann hinterher die Ergebnisse auf die Frauen über. Aber eine Frau ist nicht einfach ein Mann mit einem zweiten Chromosom, sondern eine Frau ist ein anderes Individuum als ein Mann. Und da muss man noch mal sehr geschlechtsspezifische Forschung betreiben, damit wir auch die Frauen so gut behandeln können, wie wir das mit den Männern im Moment auch schon tun.

Klaus Lampenschulten: Vielen Dank, Frau Dr. Gebauer.

Dr. Katrin Gebauer: Sehr gerne.