Volker Scheid: Welche zentralen Elemente charakterisieren die moderne ambulante Betreuung bei Herzschwäche und warum sind sie so entscheidend?
Dr. Markus Engelen: Wichtig ist, dass die Patientinnen und Patienten regelmäßig ihre Tabletten einnehmen. Wichtig ist auch, dass sie gut versorgt sind mit Devices. Ganz besonders wichtig ist aber, dass sie gut geschult werden – damit sie wissen, was sie für eine Erkrankung haben, was sie dürfen, was sie nicht dürfen. Und dafür ist der interprofessionelle Ansatz mit Hausärzten, Kardiologen, Spezialisten in Kliniken und spezialisierten Pflegepersonen wie zum Beispiel den „Heart-Failure-Nurses“ in einem multidisziplinären Team ganz besonders wichtig. Heart Failure-Nurses sind Herzinsuffizienz-Pflegepersonen, die sich nach einer Spezialisierung auf die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche konzentrieren.
Volker Scheid: Und welche Vorteile erleben Patienten und Patientinnen durch eine gut vernetzte ambulante Versorgung im Vergleich zu einer rein stationären Behandlung?
Dr. Markus Engelen: Im stationären Bereich werden die Patienten rekompensiert, wenn sie eine neue, akute Herzschwäche haben oder sich eine kompensierte – also chronisch stabile – Herzschwäche verschlechtert (Dekompensation). Und im ambulanten Bereich erfolgt dann die Nachsorge, die eigentliche Stabilisierung und die Verhinderung von immer wieder auftretenden Dekompensationen mit der Notwendigkeit erneuter stationärer Aufenthalte. Und auch dafür ist die interprofessionelle, interdisziplinäre und transsektorale, verzahnte Versorgung vom Hausarzt über den Kardiologen bis zu spezialisierten Pflegepersonen extrem wichtig. Und: die Patientinnen und Patienten selbst sind dabei ein wichtiger Teil des therapeutischen Teams. Sie wollen wir befähigen, zu verstehen, was mit ihnen passiert, so dass sie frühzeitig erkennen, wenn es ihnen schlechter geht – wann sie zum Beispiel selbst nach Anleitung etwas umstellen können oder wann sie Hilfe brauchen und wie sie diese Hilfe schnell finden.
Volker Scheid: Okay, letzte Frage: Wo sehen Sie aktuell noch Lücken oder Verbesserungsbedarf in der ambulanten Betreuung von Menschen mit Herzschwäche?
Dr. Markus Engelen: Es gibt Bedarf, mehr zu verzahnen. Das heißt, dass alle Patienten und Patientinnen sowohl beim Hausarzt behandelt werden, als auch bei einem Kardiologen oder einem spezialisierten Kardiologen – und idealerwiese auch von weiterem nichtärztlichem Personal mitbetreut werden. Der erste Schritt ist, glaube ich, dass erst einmal alle Patientinnen und Patienten mit einer Herzschwäche wirklich einen Kardiologen brauchen, denn viele haben den noch gar nicht.
Volker Scheid: Herzlichen Dank, Herr Dr. Engelen.
Dr. Markus Engelen: Da nicht für.

