Dr. Loeher. Foto: © Ilona Kamelle-NiesmannDr. Loeher. Foto: © Ilona Kamelle-NiesmannDas Fachprogramm des zweiten Tages begann mit einem Impulsvortrag, der die Implantation von ICDs aus herzchirurgischer Sicht beleuchtete. Referent war Dr. Andreas Löher, Leitender Oberarzt im Department für Herz- und Thoraxchirurgie im Universitätsklinikum Münster. Er erläuterte den Unterschied zwischen einem klassischen ICD, der im Schulterbereich eingesetzt wird und einem S-ICD, der unter der Haut – also subkutan – eingesetzt wird. Außerdem ging er darauf ein, welche Operationen aus seiner Sicht unbedingt in herzchirurgische Hand gehören und wann Elektroden unbedingt herausgenommen werden sollten. Nach seinem Impulsvortrag beantwortete Dr. Löher einige Fragen.

 

Frage: Herr Dr. Löher, im Juni 2010 haben Sie im Universitätsklinikum Münster den ersten S-IDC in Deutschland implantiert. Was unterscheidet dieses System vom klassischen ICD – und hat der S-ICD große Vorteile?

Dr. Andreas Löher: Bei einem S-ICD ist es so, dass das gesamte Gerät mit der Elektrode im Weichgewebe der Brustkorbwand liegt und keinen Kontakt zu dem Gefäß- und Herzsystem hat. Das ist im Hinblick auf Verwachsungen und auch im Hinblick auf Infektionen die immer mal sein können günstiger, weil damit keine lebenswichtigen Strukturen betroffen sind. Die Implantation ist sehr leicht und gut überschaubar. Der Nachteil ist, dass wir größere Energiemengen brauchen, um das Herz zu defibrillieren. Aber in Abwägung zu den möglichen Komplikationen würde ich das als vernachlässigbar erachten.

Frage: Wenn Sie sagen, Sie brauchen höhere Energiemengen, werden die Schocks dann auch stärker, bzw. stärker empfunden – oder ist das sowieso individuell?

Dr. Andreas Löher: Wenn ein Patient bewusstlos ist, dann merkt er den Unterschied nicht. Mir hat gerade eine Patientin erzählt, dass sie die Zeit nach der Implantation mit der Testung als etwas unangenehm empfunden hat, weil sie dadurch Muskelkater hatte. Das kommt durch die höhere Energie und durch die Art und Weise, wie wir Kammerflimmern erzeugen, um es während der Operation durch einen Schock zu beseitigen. Und da spielt eben auch die Energiemenge eine Rolle.

Frage: Herr Dr. Löher, Sie sind Herzchirurg. Was sagen Sie: Welche Operation gehört in herzchirurgische Hand? Implantation, Extraktion?

Dr. Andreas Löher: Zwingend in herzchirurgische Hand gehören sämtliche Elektrodenentfernungen oder schwierige Wechsel von Elektroden. Die „normale“ Implantation oder  der Aggregatwechsel können aus meiner Sicht auch in Krankenhäusern ohne chirurgisches Equipment durchgeführt werden. Streng herzchirurgisch also nur die Explantation – oder wenn ich besondere anatomische Situationen habe, z.B. durch Voroperationen oder angeborene Herzfehler. Dann kann es auch angezeigt sein, ein spezialisiertes Herzzentrum auszuwählen.

Frage: Ist das Equipment für eine solche Operation dann auch speziell?

Dr. Andreas Löher: Wir machen zum Beispiel keine Laserextraktionen, ohne dass wir eine Herz-Lungen-Maschine mit im OP haben, die ad hoc betriebsbereit ist. Es muss nicht zwingend jemand daneben sitzen – das ist sehr schnell zu regeln – aber das Gerät muss so vorbereitet sein, dass man es anschließen und in Betrieb nehmen kann. Da zählt dann auch wirklich jede Sekunde.

Frage: Wann muss eine Elektrode zwingend ‘raus?

Dr. Andreas Löher: Eine Elektrode muss zwingend nur dann entfernt werden, wenn sie infiziert ist. Alle anderen Gründe, die man finden kann und auf die ich in meinem Vortrag eingegangen bin, sind letztlich Vereinbarungen, die man dann ganz speziell mit dem Patienten treffen muss. Dabei muss man auch herausfühlen, was der Patient möchte und ob er eine Explantation überhaupt will. Ein gutes Beispiel für eine solche Individualentscheidung wäre, wenn ein Patient zum Beispiel ein älteres System hat und aus anderen Gründen nun zwingend ein MRT machen lassen muss. Dann kann es sinnvoll sein, die älteren Elektroden zu extrahieren und durch neue, MRT-fähige zu ersetzen. Also: zwingend ist nur die Infektion. Alle Indikationen sind übrigens nach Stufen klassifiziert und unterhalb der höchsten Stufe – in der die Infektion angesiedelt ist – sind die Indikationen aller weiteren Stufen individuell zu besprechen.

Vielen Dank!

Das Gespräch führte: Birgit Schlepütz

Foto: Ilona Kamelle-Niesmann