Dr. med. Norbert WistorfDr. med. Norbert WistorfAus dem Josephs-Hospital in Warendorf war Oberarzt Dr. med. Norbert Wistorf angereist, um mit seinen rund 25 Gästen über ihre Medikamente zu sprechen. Dem Kardiologen lag dabei daran, zu erläutern, warum sie ihre jeweilige Therapie erhalten und was diese erreichen soll. Dazu ging Dr. Wistorf zunächst auf einzelne Herzkrankheiten ein, bevor er die individuellen Fragen der Teilnehmenden aufgriff. Diese können hier im Einzelnen nicht wieder gegeben werden. Nur so viel: Die Teilnehmenden waren so interessiert, dass sie am liebsten noch viel länger weiter gemacht hätten.

Sehr ausführlich hatte Dr. Wistorf über die Herzinsuffizienz gesprochen. Ihr liegen strukturelle oder funktionelle kardiale Störungen zugrunde, die zur Folge haben, dass das Herz in seiner Auswurfleistung gehemmt ist und/oder unter erhöhtem Druck steht. Sehr häufig ist die Herzinsuffizienz die Folge einer Koronaren Herzkrankheit, also einer Verkalkung der Herzkranzgefäße. Aber auch die Verdickung des Herzmuskels durch dauerhaft zu hohen Blutdruck, verschiedene angeborene oder erworbene Herzklappenfehler oder Entzündungen führen Menschen in die Herzinsuffizienz. An ihrem Beispiel erläuterte Dr. Wistorf auch, welche Schritte Kardiologen unternehmen, um sie zu erkennen, ihre Ursachen zu analysieren und dann die passenden Wirkstoffe für die Therapie auszuwählen. Orientierung gibt ihnen dabei die gemeinsame und europaweit gültige Leitlinie der European Society for Cardiology (ESC) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Sie gibt den aktuellen Erkenntnisstand über die angemessenen therapeutischen Schritte wieder.

Die Therapie der Herzinsuffizienz

Bei der Behandlung der Herzinsuffizienz können viele Patienten auf Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker oder Diuretika nicht verzichten. Kann sich das geschwächte Herz nicht mehr wie gewohnt zusammenziehen, liegt eine Störung der Pumpfunktion vor und man spricht von einer systolischen Herzinsuffizienz. Hierbei ist der Auswurf der Blutmenge (Systole) in den Körperkreislauf deutlich vermindert. Es handelt sich daher um eine „echte“ Pumpschwäche des Herzens, die in jedem Fall medikamentös behandelt werden muss. Bei diastolischer Herzinsuffizienz hat die linke Herzkammer ihre Elastizität verloren und ist versteift. Während der Entspannungsphase des Herzens kann sie deshalb nicht genug Blut aufnehmen. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz müssen auch die Begleiterkrankungen medikamentös behandelt werden, vor allem bei arteriellem Bluthochdruck. Um den Herzrhythmus wieder ins Lot zu bringen, können je nach Situation auch Resynchronisations-Therapien, Schrittmacher oder ICD helfen.

Herzleistung: Warum 70 Prozent 100 Prozent sein können

Schließlich erläuterte Dr. Wistorf noch einmal für alle verständlich, wie es sich mit den Zahlen rund um die Herzleistung verhält. Würde das Herz mit jedem Herzschlag 100 Prozent des in ihm befindlichen Blutes in die Blutgefäße pumpen, fiele es in sich zusammen. Deshalb bleibt bei jedem Herzschlag ein Teil des Blutes zurück. Ein normales, gesundes Herz gibt bis zu 70 Prozent seines Inhalts in den Kreislauf zurück und ist damit zu 100 Prozent leistungsfähig. Bei einer Herzinsuffizienz fällt diese Herzleistung immer weiter ab. Liegt die Herzleistung also bei 60, 50 oder 40 Prozent, gibt das Herz entsprechend weniger Blut in den Kreislauf zurück. Erste Beschwerden können bei einer Herzleistung von 55 Prozent auftreten, schwere Symptome zeigen sich bei einer Herzleistung von weniger als 30 Prozent.

 

Quellen:

Notizen Arbeitskreis

Leitlinie der European Society for Cardiology (ESC) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

 

Text: Birgit Schlepütz

Foto: Ilona Kamelle-Niesmann