Dr. ZandtDr. Daniel ZandtVielen ist Dr. Daniel Zandt noch als Referent eines Gesprächskreises bekannt, in dem es um die Herzschwäche ging – oder Herzinsuffizienz, wie sie medizinisch heißt. Seit 2015 behandelt der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Notfall- und Sportmediziner in seiner eigenen Kardiologischen Facharztpraxis in Lengerich vor allem alle Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sowie der Gefäße. Weitere Schwerpunkte sind die Prävention und die Sportkardiologie. Auch zur Tagung war Dr. Zandt nach Münster gekommen, um mit den Patienten sowohl über diese Volkskrankheit zu sprechen, als auch über die Möglichkeiten der Prävention. Denn Patienten können selbst einiges tun, um ihre Situation zu verbessern. So entstand eine rege Gesprächsrunde, die nicht nur medizinisch aufklärte, sondern auch dazu ermutigte, selbst gegen die Herzschwäche aktiv zu werden.

TeilnehmerInnen des Arbeitskreises von Dr. ZandtTeilnehmerInnen des Arbeitskreises von Dr. ZandtNach dem Arbeitskreis sprach Dr. Zandt für die HERZ IN TAKT Defi-Liga über die Herzinsuffizienz, insbesondere die diastolische Herzinsuffizienz (HFpEF). Sie zählt zu den weniger bekannten Formen der Herzschwäche und hat trotz ähnlicher Symptomatik andere Ursachen als die „klassische“ Herzinsuffizienz. Sie können dieses Interview hier nachlesen oder auch anhören:

Dr. Zandt, Sie haben in Ihrem Arbeitskreis in der Hauptsache zum Thema Herzinsuffizienz gesprochen. Welche Fragen kamen dort auf?

Dr. Zandt: Natürlich gab es Fragen dazu, was eine Herzinsuffizienz ist und wie man sie behandelt. In der Hauptsache gab es aber praktisch alltagsbezogene Fragen. Ich glaube, was viele Patienten nicht wussten, ist, dass es nicht nur eine Herzinsuffizienz gibt, die durch eine Pumpschwäche definiert ist, sondern auch eine diastolische Herzinsuffizienz. Gemeint ist damit eine Entspannungsstörung des Herzens, die aber in etwa die gleichen 5-Jahres-Lebens-Erwartungen hat wie die Pumpleistungsschwäche. Allerdings muss die Entspannungsstörung anders behandelt werden – und hier weiß die Medizin in der Tat noch nicht genau, wie man sie am besten effektiv behandeln kann.

Wo liegt der Unterschied zwischen der Pumpschwäche und der Entspannungsstörung?

Dr. Zandt: Bei der Pumpleistungsschwäche pumpt das Herz zu wenig. Die Patienten kennen in der Regel die Prozentzahlen ihrer Herzleistung und denken, zwischen 55% und 60 % ist alles super, darunter wird’s immer schlechter. Und unter 35% bzw. 30% ist es dann wirklich sehr schlecht.  Das ist die klassische Herzschwäche wie man sie von früher kannte. Man weiß aber auch, dass das Herz wie eine Saug-Druckpumpe funktioniert – also einmal Blut ansaugt und es dann wieder wegdrückt. Es kann also auch passieren, dass die Ansaugleistung gestört ist. Patienten haben dann eine ganz normale Pumpleistung, die aber darüber hinwegtäuscht, dass die Ansaugphase gestört ist. Diese Störung kann aber letztlich die gleichen Probleme bereiten wie eine klassische Pumpleistungsschwäche. Hier ist dann zwar kein Defi oder CRT notwendig, aber eine medikamentöse Behandlung muss meist erfolgen.

Wie erkennt man die Entspannungsstörung? Gibt es da Parameter?

Zunächst haben Patienten eine allgemeine Herzinsuffizienz-Symptomatik – also Luftnot, dicke Beine, Belastungsschwäche, allgemeine Schwäche. Dann macht man als zentralen diagnostischen Schritt eine Ultraschall-Untersuchung und schaut, wie ist die Pumpleistung. Bei einer reduzierten Pumpleistung fällt der Patient in die Kategorie der klassischen Herzinsuffizienz. Hat er eine normale Pumpleistung, muss man einen Schritt weitergehen und sich trotzdem fragen, ob es eine diastolische Herzinsuffizienz sein kann – also  eine Entspannungsstörung. Blutwerte können zum Beispiel Hinweise geben oder auch die gängigen Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht. Lungenerkrankungen sollten ebenfalls ausgeschlossen werden. Ein Teilnehmer hatte gefragt, ob man die Ansaugschwäche auch in Prozentwerten angeben kann. Bislang kann man das noch nicht. Was man aber sagen kann ist, dass das Herz eine gewisse Steifigkeit hat und ihm das Ansaugen schwer fällt.

Wenn man an der klassischen Herzinsuffizienz leidet – also der Pumpleistungsschwäche – kann man diese so behandeln, dass sie wieder weggeht?

Das ist insofern eine schwierige Frage, weil zunächst geklärt sein muss, warum ein Patient eine Herzinsuffizienz hat, denn das Bild der zugrunde liegenden Erkrankungen ist sehr heterogen. Das war auch im Arbeitskreis zu sehen, in dem Patienten von ihren ganz unterschiedlichen Fällen erzählt haben. Unter den vielen Ursachen, die zu einer Pumpleistungsschwäche führen, gibt es ganz seltene Ursachen, die auch nicht nach Schema F behandelt werden können. Aber wenn Sie zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung haben, aus der sich eine Herzschwäche entwickelt, kann sich das Herz wieder völlig erholen, wenn die Erkrankung bestenfalls nach kurzer Zeit folgenlos ausheilt. Man gibt in so einem Fall Medikamente für ein halbes oder ganzes Jahr und fügt vielleicht noch einen Sicherheitskorridor hinten an. Dann kann auch eine Pumpleistung von 20-25%, die als höchstgradig eingeschränkt gilt, nach einem Jahr völlig unauffällig sein, als ob das Herz nie etwas hatte. Auf der anderen Seite gibt es den klassischen Fall der DCM – also einer Erweiterung des Herzmuskels, die oft keine direkt sichtbare Ursache hat und z.B. genetisch bedingt ist. In diesem Fall ist es nicht so einfach, die Herzleistung wieder auf die höheren Prozentzahlen zu bekommen. Hier geht es fast eher um Schadensbekämpfung und die Medikamente sind dann dazu da, dass die Herzinsuffizienz nicht  weiter fortschreitet.

Lesen Sie hier die Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Daniel Zandt über die Herzschwäche, die nach dem Gesprächskreis 2017 entstand. Sie finden dort folgende Informationen:

Sebastian Schallenberg und Angelika Däne von der DEFI-Liga danken Dr. Zandt.Sebastian Schallenberg und Angelika Däne von der DEFI-Liga danken Dr. Zandt.

 

Quellen: Dr. Daniel Zandt

Interview: Birgit Schlepütz

Fotos: Ilona Kamelle-Niesmann