Weil eine Schwangerschaft eine große Belastung des Herz-Kreislaufsystems darstellt, kann die Grunderkrankung des Herzens eine Kontraindikation gegen eine Schwangerschaft darstellen - z.B. eine schwere Störung der linksventrikulären Pumpfunktion, ein schweres Klappenvitium oder ein angeborener Herzfehler. Hierzu gibt es gesonderte Leitlinien und Empfehlungen. Die Patientinnen sollten sich deshalb mit ihrem Kardiologen vor der Planung einer Schwangerschaft darüber beraten.

Ein Defibrillator alleine stellt eigentlich keine Kontraindikation gegen eine Schwangerschaft dar, sofern die Grunderkrankung eine Schwangerschaft erlaubt. Einige unserer Defi-Patientinnen haben problemlos gesunde Kinder zur Welt gebracht, die wir dann natürlich gerne in der Ambulanz in Augenschein nehmen :-) . Auch Patientinnen mit einem Aggregat im Bauch (abdominell, ätere Methode der Implantationstechnik) haben problemlos Schwangerschaften ausgetragen und entbunden.

Wir empfehlen die Entbindung in einem Zentrum, welches den Defibrillator kontrollieren kann. In der Regel empfehlen wir, bei einer Spontanentbindung die Detektionszone so hoch wie klinisch vertretbar zu programmieren, damit es nicht im Rahmen der Entbindung aufgrund der Anstrengung zu inadäquaten Einsätzen des Defibrillators kommt. Dies ist dann eine individuelle Entscheidung je nach den Voraussetzungen der Patientin und erfordert natürlich eine Rückprogrammierung nach Entbindung.

Für bestimmte Krankheitsbilder (z.B. LQT-Syndrom) ist eine erhöhte Ereignisrate in der Phase nach der Entbindung beschrieben.

Autorin:

Dr. med. Julia Köbe
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie Münster