Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/wir_pixs-11762968/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=5873159">Wilfried Pohnke</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=5873159">Pixabay</a>© Wilfried Pohnke - PixabayDeutschland steht derzeit mehr Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung, als nachgefragt wird. Mit Blick auf eine zu erwartende vierte Welle hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) heute eine Pressemitteilung herausgegeben, um noch mehr Menschen – insbesondere Herzpatienten – zu einer Impfung zu motivieren. „Eine vierte Welle der Corona-Pandemie birgt vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen eine große Gefahr. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beobachtet daher den sich erneut verlangsamenden Impffortschritt und die große Zahl Ungeimpfter mit wachsender Sorge.“

 

Kardiologen beunruhigt durch niedrige Impfquote - Herzerkrankte sind besonders gefährdet

Düsseldorf, 23. Juli 2021– Nachdem die Infektionszahlen in den vergangenen Monaten stark gesunken waren, kommt es nun zu einem erneuten und deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Modellierungen zeigen, dass mit einem exponentiellen Wachstum und einer vierten Welle unter den Erwachsenen ab spätestens Oktober gerechnet werden muss.(1) Neue Varianten des Virus sowie Lockerungen im Alltag und bei Großveranstaltungen befeuern diesen Trend. Hinzu kommt, dass ein recht großer Anteil von Erwachsenen Impfangebote nicht annimmt, obwohl der Impfstoff mittlerweile in ausreichender Menge verfügbar ist.

Trotz Impfung: Herzpatient*innen sind gefährdet

Eine niedrige Impfquote zum Zeitpunkt einer vierten Welle birgt jedoch gerade für Patient*innen mit Herzkreislauferkrankungen ein großes Risiko:

  • Patient*innen mit Herzkreislauferkrankungen haben bei einer COVID-Erkrankung ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod(2); die Sterblichkeit hospitalisierter Patient*innen mit Herzkreislauferkrankungen ist bis zu elffach erhöht.(3)
  • Auch Geimpfte können sich erneut mit COVID-19 infizieren. Es ist leider davon auszugehen, dass Patient*innen mit Herzkreislauferkrankungen hier deutlich häufiger schwere Verläufe er-leiden als herzgesunde Personen. Beispielsweise mussten bereits geimpfte Herzinsuffizienz-patient*innen, anderthalb bis fünf Mal so häufig wegen einer COVID-19-Infektion im Krankenhaus behandelt werden wie nicht geimpfte Herzgesunde. (4)
  • Die Impfeffektivität ist zudem bei Menschen mit Herzkreislauferkrankungen leicht geringer. (5) Umso wichtiger, dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung geimpft ist, bekräftigt DGK-Präsident Prof. Dr. Stephan Baldus: „Eine Impfquote von über 80 Prozent hätte einen entscheidenden Effekt auf die oben genannten Punkte und stellt aus unserer Überzeugung einen ganz wesentlichen Hebel dar, um die Prognose herz- und kreislauferkrankter Patient*innen in der Pandemie zu verbessern.“

Maßnahmen für eine höhere Impfquote

Die Experten der DGK bringen daher ihre Sorge über die große Zahl der Impfunwilligen in Deutschland zum Ausdruck und bitten politische Entscheidungsträger*innen eindringlich, umgehend aktiv zu werden. Eine intensivere Aufklärung, das Schaffen von positiven Anreizen und gleichzeitig das frühzeitige Formulieren von geplanten Einschränkungen für Nichtgeimpfte sind vielversprechende Ansätze, um die Impfquote jetzt kraftvoll zu erhöhen. Deutschland solle ferner alle Anstrengungen unternehmen, seine Partnerländer mit niedrigem Impfstatus kurzfristig und maximal mit der Lieferung von Impfstoff zu unterstützen, um das globale Pandemiegeschehen besser einzudämmen, so die Herzmedizinerweiter. Prof. Dr. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK:„Nur auf diesem Weg werden wir es in Deutschland schaffen, die besonders gefährdeten Patientengruppen, insbesondere auch die Herzkreislauferkrankten besser zu schützen, um in einer Phase erneut steigender Infektionszahlen Morbidität und Mortalität unserer Patient*innen niedrig zu halten.“

Herzmuskelentzündungen nach Impfung mit mRNA-Impfstoffen

In diesem Zusammenhang nimmt die DGK auch Stellung zu dem Auftreten von Herzmuskelentzündungen bei hauptsächlich jungen Männern in den ersten 14 Tagen nach einer zweiten Impfung mit den Vakzinen von BioNTech (Comirnaty) und Moderna (Spikevax). Ein Rote-Hand-Brief, der am 19. Juli veröffentlicht wurde, berichtet, dass bis zum 31. Mai im europäischen Wirtschaftsraum 145 Fälle von Myokarditis bei Personen, die mit Comirnaty, und 19 Fälle bei Personen, die mit Spikevax geimpft wurden, festzustellen waren. Zusätzlich traten nach der Anwendung von Comirnaty 138 Fälle von Perikarditis auf und nach der Gabe von Spikevax 19 Fälle.(6) „Auch wenn der Zusammenhang vermutlich kausal ist, müssen wir diese Zahlen ins Verhältnis zu den verabreichten Impfdosen setzen“, betont Prof. Dr. Holger Thiele, zukünftiger Präsident der DGK. Bis zum 31. Mai wurden im europäischen Wirtschaftsraum schätzungsweise 177 Millionen Dosen Comirnaty und 20 Millionen Dosen Spikevax verabreicht. „Sowohl die Patient*innen als auch wir Ärztinnen und Ärzte müssen daher wachsam sein und auf die entsprechenden Symptome achten. Dennoch kann gar nicht oft genug betont werden, dass der Nutzen der Impfung die Risiken bei weitem überwiegt“, so der Kardiologe weiter. „Herzmuskelentzündungen sind gut behandelbar. Gehen Sie daher lieber einmal zu oft in die Arztpraxis oder ins Krankenhaus als einmal zu wenig. “Mögliche Anzeichen einer Herzmuskelentzündung sind Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und Herzrasen oder -stolpern. Wer diese Symptome verspürt, sollte umgehend medizinische Hilfe suchen. Dies gilt nicht nur, aber besonders, für frisch geimpfte Personen.

Quellen: