„Ja, alles ist bestens. Mach’ Dir keine Sorgen“, ist eine häufige Antwort, wenn Kinder oder Enkel sich telefonisch nach dem Befinden der Eltern oder Großeltern erkundigen. Vor allem, wenn sie nicht bei den Eltern leben oder gerade im Urlaub sind. Was eine solche Antwort auslösen kann, wenn sie nur beruhigend gemeint ist, aber gar nicht stimmt, zeigte ein Gespräch am Rande der diesjährigen Tagung.

Neulich habe sie aus dem Urlaub heraus bei ihren Eltern angerufen, um sich nach der Mutter zu erkundigen, sagte eine Tagungsteilnehmerin. Sie solle sich keine Sorgen machen, hatten die Eltern geantwortet und sie war beruhigt. Als sie dann nach Hause kam, erfuhr sie, dass es der Mutter während ihrer Abwesenheit überhaupt nicht gut gegangen war. Da ihre Situation aber nicht lebensbedrohlich war, wollten ihre Eltern niemanden beunruhigen. Der Effekt, den sie mit ihrem Verhalten erzielt haben, ist jedoch ein ganz anderer, als erhofft. Nun ist die Tochter dauerhaft verunsichert – auch wenn sie hört, es gehe der Mutter gut.

Klarheit schafft Vertrauen

Klare und offene Worte hätten dafür gesorgt, dass die Tochter auch künftig auf die Auskünfte ihrer Eltern vertraut. Die Beruhigungs-Antwort hat also genau das Gegenteil von dem bewirkt, was die Mutter beabsichtigte. Menschen, denen es nicht gut geht, wollen tatsächlich niemanden in Aufruhr versetzen, wenn es ihnen nicht gut geht. Besonders, wenn die Kinder nichts ausrichten können, weil sie sich im wohlverdienten Urlaub befinden und oft viele Auto- oder Flugstunden weit entfernt sind. „Ich verstehe, was meine Eltern wollten, aber offene Worte wären mir lieber gewesen“, sagt die Tochter. „Damit hätte ich umgehen können. Dann hätte ich mit dem Arzt sprechen und nach seiner Einschätzung fragen können. Wenn er dann gesagt hätte, dass aus medizinischer Sicht keine akute Gefahr besteht, hätte ich im Urlaub bleiben können und einfach öfter angerufen. Wir hätten auf jeden Fall einen Weg gefunden.“

Die Sicht des anderen

Wenn Sie diese Situation vielleicht aus der eigenen Familie kennen, dann überlegen Sie doch einfach mal, ob es sich lohnen kann, mit den Angehörigen darüber zu sprechen. In unserem Fall hat es sich gelohnt. Tochter und Eltern verstehen nun die Sicht des anderen, weil sie sich darüber ausgetauscht haben. Die Tochter hat von ihren Ängsten gesprochen, die Eltern darüber, dass sie niemandem unnötig zur Last fallen wollen. Für die Zukunft haben sie sich vorgenommen, offen darüber zu sprechen, was in einer Situation am besten zu tun ist.