Andreas Sukau. Foto: © Ilona Kamelle-NiesmannAndreas Sukau.
Foto: © Ilona Kamelle-Niesmann
Viele Defi-Patienten fragen sich, warum man anstelle von Batterien keine Akkus in ihren ICD einbauen kann. Oder warum bei einem Batteriewechsel das gesamte Gerät ausgetauscht werden muss. In seinem Impulsvortrag ging Andreas Sukau ausführlich auf diese Fragen ein. Birgit Schlepütz bat den Referenten im Anschluss darum, die wichtigsten Fakten noch einmal zusammen zu fassen.

Birgit Schlepütz: Herr Sukau, Sie haben heute für Boston Scientific aus der Sicht eines Geräteherstellers über Defi-Technik gesprochen und dabei haben Sie auch eine Umfrage erwähnt, die besagt, dass das Thema „Batterie“ bzw. deren Laufzeit für Patienten außerordentlich wichtig ist. Können Sie ein bisschen dazu erzählen, wie sich die Batterietechnik entwickelt hat oder was sich da gerade tut?

Andreas Sukau: Wir arbeiten als Firma schon seit vielen Jahren an unseren eigenen Batterien und am Ende läuft es immer darauf hinaus, in das begrenzte Gehäuse eines Geräts möglichst viel Batterie hineinzupacken. Am Ende läuft alles auf die Kapazität hinaus. Also: wir wollen eine Batterie mit möglichst viel Kapazität, die dann auch lange hält. Im Grunde geht es dabei immer darum, für den Patienten möglichst wenig Wechsel während ihrer Lebenszeit zu erreichen.

Birgit Schlepütz: Eine Frage aus dem Publikum betraf auch den Batterie-Austausch. Ich habe das so verstanden, dass der gesamte Defi ausgetauscht wird, wenn die Batterie gewechselt werden muss. Warum ist das so?

Andreas Sukau: Das ist so. Zum einen besteht das Gerät schon zu ca. zwei Dritteln aus Batterie. Also, den größten Platz nimmt tatsächlich die Batterie ein, die Elektronik eher den kleineren Raum. Zum anderen ist es wichtig, dass das Gerät an sich komplett abgeschlossen ist gegen Flüssigkeit. Also, es darf kein Blut und keine andere Flüssigkeit in das Gehäuse eindringen, weil das sofort zu Schäden führen würde. Deshalb ist das gesamte Gehäuse verschweißt. Auch der Kopf des Gehäuses – dort, wo die Elektroden eingeführt werden – ist aufgeklebt und es ist alles komplett abgeschlossen gegen Flüssigkeit.

Birgit Schlepütz: Könnte man nicht auch einfach Batterien entwickeln, die eine Akkufunktion haben, also die man einfach wieder aufladen könnte?

Andreas Sukau: Ja, das ist ein naheliegender Gedanke eigentlich. Vor allem, weil wir im Alltag Akkus haben, die einfach wieder aufladbar sind. Es gibt ein paar Hürden bei den Defis und Schrittmachern, die uns bisher daran gehindert haben, Akkus einzusetzen. Zum einen ist es die Tatsache, dass wir nicht genau wissen, was der Patient individuell von dem Gerät braucht. Es gibt Leute, die sind zu 100 Prozent, jede Sekunde von der Funktion des Schrittmachers abhängig. Da ist es halt fraglich, ob man den Leuten zumuten kann, das Gerät jeden Tag neu aufzuladen. Und was passiert, wenn sie es einmal einen Tag vergessen? Zum anderen gibt es einfach eine praktische Hürde: Die Geräte werden eine Zeit lang gelagert, bevor sie implantiert werden. Akkus würden dabei an Spannung verlieren. Das tun Batterien, die wir einsetzen, nicht. Wir haben einen sehr stabilen Spannungserhalt und sind auch nach einem Jahr noch zu 100 Prozent einsatzfähig.

Birgit Schlepütz: Letzte Frage, die auch aus dem Publikum kam: Wie kann es sein, dass mein Arzt mir seit zwei Jahren sagt: „Deine Batterie hält noch acht Jahre.“ Das ist doch eigentlich unlogisch?

Andreas Sukau: Das ist unlogisch, genau. Es ist so, dass wir in den Batterien, bzw. den Geräten immer sogenannte Algorhythmen hinterlegt haben, die die sogenannte Laufzeit berechnen. Wenn wir eine neue Batterie entwickeln und dieses Gerät jetzt auf den Markt bringen, dann ist da eine bestimmte Prognose hinterlegt. Und diese Prognose ist eher konservativ als optimistisch. Was wir vermeiden möchten, ist, dass wir den Patienten sagen: Deine Batterie hält zwölf Jahre und bei der nächsten Kontrolle sind’s nur noch acht. Viel besser ist es, eine eher konservative Prognose abzugeben und die Leute sind nachher positiv überrascht. Psychologisch hat das einen positiven Effekt und andererseits wissen wir auch nicht, wie lange eine Batterie am Ende hält. Man kann viel im Labor testen, im Endeffekt ist es aber in der Realität immer etwas anderes.

Birgit Schlepütz: Das heißt die Prognosen werden ständig abgeglichen, also neu erstellt?

Andreas Sukau: Richtig. Die Prognose ist, wenn das Gerät implantiert wird, auf Standard; und das sind dann nun mal festgelegt acht Jahre. Und bei der nächsten Kontrolle sagt das Gerät, ich habe aber etwas anderes berechnet und die Batterie hält jetzt doch länger. Dann steht da aber nicht neun Jahre oder zehn Jahre, sondern immer noch Acht. Und bei der nächsten Kontrolle ebenfalls. Erst nach zwei Jahren sehen Sie dann, dass es einen Abfall gibt. Das hat aber nur etwas mit der internen Berechnung der Laufzeit zu tun.

 

Interview: Birgit Schlepütz
Foto: Ilona Kamelle-Niesmann