Heute ist nicht alle Tage, ich komm’ wieder, keine Frage: Isabel Waltering klärte über die Wechselwirkungen von Medikamenten auf – und ist auch im kommenden Jahr wieder bei der Defi-Tagung zu Gast.Heute ist nicht alle Tage, ich komm’ wieder, keine Frage: Isabel Waltering klärte über die Wechselwirkungen von Medikamenten auf.Arbeitskreis: "Passt das auch alles zusammen? Wechselwirkungen von Arzneimitteln" mit Isabel Waltering

Viele Defi-Träger_innen nehmen zahlreiche Medikamente ein. Besonders, wenn sie unter weiteren Erkrankungen leiden. Bei machen kommt da ein wahrer Cocktail zusammen. Darüber, wie solche Arzneimittel zusammen wirken – oder sich gegenseitig in ihrer Wirkung behindern – sprach Isabel Waltering mit ihren Gästen. Zur Verdeutlichung des Problems ging die Pharmazeutin und Apothekerin aus Münster gleich in medias res. Zahlreiche Fallbeispiele und ihre Fähigkeit, auch spontan sehr individuelle Fragen zu beantworten, ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Gut informiert und begeistert von den aufschlussreichen Ausführungen von Frau Waltering verließen viele Gäste den Arbeitskreis mit der Idee: "Hoffentlich kommt sie nächstes Jahr wieder." "Ja," können wir antworten, "sie kommt!".

So viel sei an dieser Stelle schon einmal gesagt: Das Thema ist sehr vielschichtig und individuell. Vor allem, weil jede Medikation im Prinzip ein Unikat ist. Sie sollte deshalb individuell auf jede Person zugeschnitten sein. Pharmazeuten wie Frau Waltering sind dafür ausgebildet. Zudem sind sie in der Apotheke oft die Einzigen, die einen kompletten Überblick darüber haben, wie viele Arzneimittel ein Patient tatsächlich einnimmt. Denn dazu gehören nicht nur die vom Arzt verordneten Arzneimittel, sondern auch die frei verkäuflichen Medikamente sowie teilweise auch Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium.

Die Individualität der Medikation, so Frau Waltering, bedeute auch, dass man prüft, wie die einzelnen Medikamente mit- oder gegeneinander wirken. Manchmal ist es nur eine Frage der Zeit. Der Tageszeit nämlich, zu der man die Medikamente nimmt oder den Pausen, die man zwischen der Einnahme zweier Arzneimittel lässt, damit sie sich nicht gegenseitig beeinflussen. Grundsätzlich kann man zwei funktional verschiedene Wechselwirkungen unterscheiden, die zwischen Arzneimitteln auftreten können:

  • Arzneimittel, die sich gegenseitig daran hindern, dass der Körper sie verstoffwechseln kann.

Viele Arzneien werden in der Leber von Enzymen verstoffwechselt. Die Arbeit dieser Enzyme kann beschleunigt oder gehemmt werden. Wird sie beschleunigt, verringert sich in den meisten Fällen die Wirkung des Medikaments. Wird die Arbeit der Enzyme verringert, kann die Konzentration des Arzneimittelwirkstoffs im Blut ansteigen und es können Nebenwirkungen auftreten.

  • Arzneimittel, die sich gegenseitig in ihren Wirkungen oder Nebenwirkungen beeinflussen

So gibt es zum Beispiel eine Wechselwirkung zwischen ASS und Ibuprofen: Grundsätzlich kann man 1 x täglich Ibuprofen nehmen, wenn man das ASS mindestens 30 Minuten vor dem Ibuprofen nimmt. Nimmt man allerdings 3 x täglich Ibuprofen, hebt das die Herz schützende Wirkung von ASS auf. Hinzu kommt, dass sowohl Ibuprofen als auch ASS die Magenschleimhäute angreifen.

In machen Fällen ist es möglich, die Probleme zu umgehen, indem man die Arzneimittel zu unterschiedlichen Zeiten einnimmt. Geht das nicht, kann der Arzt prüfen, ob alternative Arzneimittel eingesetzt werden können. Nicht immer kann man die Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln vermeiden. Was man aber vermeiden kann, ist die Einnahme von Medikamenten zum falschen Zeitpunkt. Einige Arzneimittel entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie explizit vor dem Essen, mit dem Essen oder nach dem Essen genommen werden. Oder auch die Selbstmedikation – zum Beispiel mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Hinzu kommt, dass manche Medikamente auch mit herkömmlichen Nahrungsmitteln reagieren. Kaffe, Tee, Milch, Alkohol oder Grapefruitsaft sind nur einige Beispiele. Und schließlich kann sich die Wirkung von Medikamenten auch mit zunehmendem Alter eines Patienten verändern.

AMTS-zertifizierte Apotheken

Frau Waltering macht sich deshalb dafür stark, dass Patienten ihren Medikamenten mehr Aufmerksamkeit widmen und von Zeit zu Zeit eine Medikationsanalyse durchführen lassen. Diese sollte dann auch die Präparate einschließen, die man frei verkäuflich in der Apotheke bekommt. Es mache zudem Sinn, die Medikamente von einer Hausapotheke zu beziehen. Wer eine AMTS-zertifizierte Apotheke besucht, kann außerdem sicher sein, dass man sich dort mit dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) auskennt. Frau Waltering selbst bildet unter der Leitung von Prof. Dr. Georg Hempel am Pharmazie-Institut der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster Pharmazeuten zu zertifizierten „AMTS-Managern“ weiter. Im Kammerbezirk der Apothekerkammer Westfalen-Lippe gibt es derzeit 624 AMTS-Manager und 277 AMTS-zertifizierte Apotheken.

Ein aufmerksames Publikum und viele individuelle Nachfragen: Pharmazeutin und Apothekerin Isabel Waltering begeisterte mit ihren Ausführungen.

Ein aufmerksames Publikum und viele individuelle Nachfragen: Pharmazeutin und Apothekerin Isabel Waltering begeisterte mit ihren Ausführungen.

Ein aufmerksames Publikum und viele individuelle Nachfragen: Pharmazeutin und Apothekerin Isabel Waltering begeisterte mit ihren Ausführungen.

 

Text: Birgit Schlepütz
Fotos: Ilona Kamelle-Niesmann