Dr. Jörg Stypmann

Erläuterte in einfachen und gut verständlichen Worten, was bei der Echokardiographie passiert: Dr. Jörg StypmannErläuterte in einfachen und gut verständlichen Worten, was bei der Echokardiographie passiert: Dr. Jörg StypmannWenn Ärzte das Herz anschreien... tun sie das mit guter Absicht. Denn sie wollen hören, wie und was es antwortet. Natürlich schreien sie nicht selbst. Sie benutzen dazu die Echokardiographie – eine Ultraschall-Untersuchung. Sie ist eine der wichtigsten Untersuchungen des Herzens und liefert eine schnelle Übersicht über mögliche Veränderungen in seiner Struktur oder seiner Funktion. Nicht immer reicht zur genauen Beurteilung der Lage eine Ultraschall-Untersuchung von außen. Manchmal muss der Patient auch eine Sonde schlucken oder aufs Fahrrad steigen. Welche Methoden es im Einzelnen gibt und was der Arzt aus den Ergebnissen lesen kann, besprach Dr. Jörg Stypmann mit den Teilnehmer_innen seines Arbeitskreises. Und um noch einmal auf das Schreien zurück zu kommen: Normalerweise sehen Ärzte bei der Echokardiographie ein Schwarz-Weiß-Bild. Es ist aber auch möglich, mit ihr den Blutstrom farbig, grafisch oder sogar akustisch darzustellen.

Echokardiographie von außen

Eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens von außen bezeichnet man als Transthorakale Echokardiographie (TTE). Sie wird eingesetzt, wenn Beschwerden oder Befunde auf eine Herzerkrankung hindeuten. Außerdem kann der Arzt den Verlauf einer bereits erkannten Erkrankung verfolgen. Sie gibt zum Beispiel Aufschluss über die Herzfunktion (EF), die Größe der Herzhöhlen und die Dicke der Herzwände. Außerdem zeigt sie, ob die Struktur und Funktion der Herzklappen in Ordnung ist – ob sie dicht sind oder ob eine Engstelle besteht.

Bei der TTE setzt der Arzt den Ultraschallkopf von außen auf den Brustkorb auf. Die Methode ist gängig und risikofrei und wird auch zur Untersuchung anderer Organe eingesetzt. Und wer sich schon einmal gefragt hat, warum bei der TTE Gel auf die zu untersuchende Stelle aufgebracht wird, den konnte Dr. Stypmann aufklären: es verhindert, dass Luft zwischen Haut und Ultraschallsensor gerät. Für ICD-Patienten kann die Untersuchung aufgrund der Lagerung unangenehm sein.

Echokardiographie von innen

Immer im Einsatz: Nach dem Interview eilte Dr. Stypmann wieder schnell zu seinen Patienten ins Universitätsklinikum.Immer im Einsatz: Nach dem Interview eilte Dr. Stypmann wieder schnell zu seinen Patienten ins Universitätsklinikum.»Sie kommen, Sie schlafen, Sie schlucken, Sie schlafen. Und wenn Sie wieder wach sind, haben Sie es schon hinter sich und Sie können meist wieder nach Hause gehen.« Das ist ungefähr das, was Patienten erleben, wenn Ärzte eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens durch die Speiseröhre machen. Man nennt sie Transösophageale Echokardiographie (TEE) oder auch »Schluckecho«. Das TEE wird hauptsächlich angewendet, um das Herz auf Blutgerinnsel oder Herzklappenfehler hin zu untersuchen. Zum Ausschluss einer Klappen-Entzündung (Endokarditis), wie sie bei ICD-Patienten zum Beispiel auf den und durch die Sonden entstehen kann, gibt es zu dieser Methode keine Alternative; strukturelle Herzveränderungen kann man alternativ mit einem MRT bestätigen – dies gilt allerdings nur für Patienten ohne ICD. Das »Schluckecho« erlebt der Patient ähnlich wie eine Magenspiegelung. Es ist sogar etwas angenehmer, da keine Luft in den Magen gepumpt wird. Der Arzt führt dabei einen Schlauch in die Speiseröhre ein. An dessen Ende befindet sich der Schallknopf – und damit in unmittelbarer Nähe des Herzens. Dies ist vorteilhaft, wenn es darum geht, kleinere Strukturen wie Blutgerinnsel in den Vorhöfen zu erkennen.

Stress-Echokardiographie

Die Stress-Echokardiographie ist eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens unter Belastung. Der Arzt sucht dabei nach Veränderungen der Herzfunktion, die sich erst unter Belastung zeigen. Diese Belastung wird entweder durch Medikamente wie Dobutamin oder Adenosin herbeigeführt. Oder der Patient fährt während des Stress-Echos Fahrrad. Mit dieser Untersuchung klärt der Arzt zum Beispiel die Frage ob eine Minderdurchblutung des Herzens vorliegt (Ischämie). Die Untersuchung wird auch angewendet, um Herzkatheter-Untersuchungen zu vermeiden – ist jedoch nur eingeschränkt durchführbar bei Vorhofflimmern. Bei einer Stress-Echokardiographie kann es bei Patienten manchmal zu Herzrhythmusstörungen kommen – gegebenenfalls sogar zu einer Defibrillation. ICD-Patienten sollen deshalb immer auf ihr Aggregat hinweisen und den ICD-Ausweis zur Hand haben.

Priv. Doz. Dr. Jörg Stypmann ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Allgemeinmedizin, Notfallmedizin, Schwerpunkt Kardiologie im Department für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM)

Hören Sie hier auch das Interview mit Dr. Stypmann (mp3-Datei):

 

Text: Birgit Schlepütz
Fotos: Ilona Kamelle-Niesmann