DEFI-Liga Vorsitzende Angelika Däne bedankt sich bei Dr. Engelen für seinen Vortrag. Foto: © Birgit SchlepützDEFI-Liga Vorsitzende Angelika Däne bedankt sich bei Dr. Engelen für seinen Vortrag. Foto: © Birgit SchlepützZum Gesprächskreis am 4. Mai 2018 war Dr. Markus Engelen gekommen. Er ist Kardiologe am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Schüchtermann-Kliniken am Standort Osnabrück. Dort arbeitet er mit zwei weiteren Kardiologen, einem Facharzt für Pneumologie und einem Psychologischen Psychotherapeuten zusammen und macht dort neben der konservativen Kardiologie unter anderem auch Defi-Abfragen. Zuvor war er lange Zeit in der HTX- und Herzinsuffizienz-Ambulanz des Universitätsklinikums Münster (UKM) tätig und kennt deshalb sowohl die klinische Nachsorge nach einer Defi-Implantation als auch die Perspektive eines niedergelassenen Kardiologen. Die rund 30 Gästen erfuhren von Dr. Engelen, warum die reine Defi-Abfrage seiner Meinung nach den Besuch bei einem Kardiologen nicht ersetzt.

Um seine These zu stützen, ging Dr. Engelen zunächst darauf ein, welche Untersuchungen bei der reinen Defi-Abfrage in einer Schrittmacher-Ambulanz gemacht werden und welche Untersuchungen niedergelassene Kardiologen machen. Anschließend ging er außerdem auf die Leistungen des Hausarztes ein. Zusammen genommen, so sein Fazit, ist eine Kombination von Defi-Ambulanz + Kardiologe + Hausarzt die beste – weil umfassende – Versorgung für Defi-Patienten.

Was passiert bei der reinen Defi-Abfrage?

Die Schrittmacher- und Defi-Ambulanzen erfüllen einen hoch spezialisierten Auftrag: das Abfragen der  Implantate. In der Regel findet deshalb dort eine rein technische Abfrage statt. Das hat zur Folge, dass die Termine eng getaktet sind und das Anamnese-Gespräch mit den Patienten kurz bleibt. Auch eine strukturierte zusätzliche körperliche Untersuchung ist dort nicht regelhaft vorgesehen. Ebenso in der Regel keine ausführlichere Besprechung des Medikamentenplans. Nur zum Teil wird dort ein 12-Kanal-EKG geschrieben  und in der Regel sind auch keine Ergometrie und kein Echo und vorgesehen. Radiologische Untersuchungen werden nur nach Bedarf vorgenommen. Dies alles geschieht nicht – das betonte Dr. Engelen – weil die Ärzte diese Untersuchungen nicht leisten wollen, sondern weil es nicht ihr Auftrag ist.

Was passiert bei der kardiologischen Untersuchung?

Besucht ein Patient eine kardiologische Praxis, sind die Termine in der Regel zeitlich deutlich weiter gefasst. Das bedeutet, dass es eine umfängliche Anamnese gibt sowie eine kardiologische körperliche Untersuchung. Ein 12-Kanal-EKG ist ebenso Standard wie eine ausführliche Besprechung des Medikamentenplans. In der Regel machen kardiologische Praxen auch eine Echokardiografie und oft auch eine Ergometrie. Gegebenenfalls kommen noch Verschlussdruckmessungen oder Duplex-Untersuchungen, z. B. der Halsschlagadern, hinzu. Und schließlich können Patienten in einer kardiologischen Praxis auch ihren Defi auslesen lassen.

Kann der Besuch eines Kardiologen die Defi-Ambulanz ersetzen?

Diese Frage beantwortete Dr. Engelen mit einem klaren Nein. Für alle Patienten, die ihren Defi zum ersten Mal nach der Implantation abfragen lassen, ist der Besuch einer Spezialambulanz Pflicht. Für alle Patienten, die Probleme mit ihrem Defi haben, ist der Besuch einer Spezial-Ambulanz bis zur Lösung ihres Problems ebenfalls notwendig. Auch für Patienten, die sich telemetrisch betreuen lassen, ist der regelmäßige Besuch in einer Spezialambulanz oft ratsam. Und schließlich für alle Patienten, die zu wissenschaftlichen Zwecken an Studien teilnehmen. Trotzdem gilt: Alle Patienten, die sich in einer Spezial-Ambulanz abfragen lassen, brauchen aufgrund der umfangreicheren Anamnese-, Untersuchungs- und Besprechungsleistungen zusätzlich einen niedergelassenen Kardiologen. Ein bis vier Mal pro Jahr sollten sie ihn sehen. Alle anderen Patienten, so Dr. Engelen, können sich – bis auf die erste Defi-Abfrage – gut auch  in einer kardiologischen Praxis betreuen lassen.

Zu diesem Thema hatte Dr. Engelen auch zuvor die Meinung der ICD-Ambulanz am Universitätsklinikum Münster (UKM) eingeholt. Dort teilt man die Meinung von Dr. Engelen, dass die erste Abfrage nach einer Implantation oder nach einem Defi-Wechsel immer im implantierenden Zentrum vorgenommen werden sollte. Da andere Kliniken das Ganze mitunter anders sehen, ist es ratsam, als Patient den Standpunkt der Klinik dazu zu kennen.

Wie findet man den „richtigen“ Kardiologen?

Sinnvoll ist, wenn der Kardiologe der Wahl heimatnah niedergelassen ist. Hier verwies Dr. Engelen drauf, dass man über die Suche im Internet hinaus den Empfehlungen des Hausarztes oder einer Selbsthilfegruppe folgen könne. Zudem können Gemeinschaftspraxen Vorteile bringen: Zum Einen sind sie hinsichtlich ihrer Geräte oft besser ausgestattet, zum Anderen können sie bessere Urlaubsvertretungen gewährleisten. Für Patienten bedeutet das, dass die Vertretung aus derselben Praxis kommt, in der sich auch ihre Unterlagen befinden. Ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Wahl eines Kardiologen kann auch dessen Alter sein – denn eine Arzt-Patienten-Beziehung will nicht nur aufgebaut werden, sondern sollte auch möglichst lange halten. Deshalb sollte auch unbedingt die „Chemie“ zwischen Patient und Kardiologe stimmen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn Defi-Patienten aus zwischenmenschlichen Gründen einen Arzt-Besuch unterlassen.

Wie wichtig ist der Hausarzt?

Der Hausarzt schließlich hat den Überblick über den „gesamten“ Patienten. Er kennt mögliche andere Krankheiten und hat die Übersicht über alle Medikamente, die der Patient einnimmt. In den kardiologischen Praxen – und innerhalb der Kardiologie in den ICD-Ambulanzen – arbeiten dagegen Fachärzte, die Spezialisten auf dem Gebiet der Herzmedizin sind. Sie können in ihrer Disziplin vieles leisten – behandeln den Patienten aber aus einer bestimmten Perspektive heraus und mit einem speziellen Fokus. Hilfreich für alle ist es, wenn Hausärzte und Kardiologen bei unterschiedlichen Auffassungen – zum Beispiel über eine Medikation – persönlich miteinander reden und nicht dem Patienten die Verantwortung über die Lösung der Meinungsverschiedenheit überlassen.

 

Text und Foto: Birgit Schlepütz