Ein Herz für Defi-Patienten: Dr. Daniel Zandt ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Notfallmedizin und Sportmedizin und gründete 2015 seine eigene kardiologische Praxis in Lengerich. Angelika Däne dankte ihm für seinen engagierten Vortrag mit einem kleinen Geschenk. Foto: © J. Georg DuchnaEin Herz für Defi-Patienten: Dr. Daniel Zandt ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Notfallmedizin und Sportmedizin und gründete 2015 seine eigene kardiologische Praxis in Lengerich. Angelika Däne dankte ihm für seinen engagierten Vortrag mit einem kleinen Geschenk. Foto: © J. Georg DuchnaMan kann sie wohl als Volkskrankheit bezeichnen. Die Rede ist von der Herzschwäche – oder Herzinsuffizienz, wie sie medizinisch heißt. Sie betrifft nicht nur 1,8 Mio. Menschen[1] in Deutschland, sie ist außerdem tückisch: denn tatsächlich sind die Sterberaten von Herzinsuffizienz-Patienten höher die der meisten Krebspatienten. Weil die Lage für viele aber gar nicht hoffnungslos sein müsste, begann der Kardiologe Dr. Daniel Zandt seinen Impulsvortrag beim Oktober-Gesprächskreis mit folgendem Appell: „Wenn alle Patienten die Diagnose Herzschwäche ähnlich ernst nehmen würden wie eine Krebsdiagnose, dann wäre schon viel erreicht.“ Verfolgte man die Fragerunde im Anschluss an den mit über 40 Gästen erneut mehr als gut besuchten Gesprächskreis, kann man nur sagen: Viele waren genau deshalb gekommen: Um von Dr. Zandt zu hören, was es mit der Herzschwäche auf sich hat und was sie persönlich tun können, um ihr aktiv zu begegnen.

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und ihre Ausprägungen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert die Herzinsuffizienz als »Unfähigkeit des Herzens, den Körper mit ausreichend Blut und damit genügend Sauerstoff zu versorgen, um den Stoffwechsel in Ruhe wie unter Belastung zu gewährleisten.« (WHO 1995). Diese mangelnde Belastungsfähigkeit entsteht aufgrund verschiedenster Funktionsstörungen des Herzens:

Ist der Herzmuskel zu schwach, um genügend Blut in den Körper bzw. die Lunge zu pumpen, spricht man von einer systolischen Herzinsuffizienz. Sie betrifft also die Pumpleistung des Herzens. Ist die Funktion der rechten Herzkammer gestört, pumpt das Herz nur noch eingeschränkt sauerstoffarmes Blut in die Lunge. Mediziner sprechen dann von einer Rechtsherzinsuffizienz. Ist die Funktion der linken Herzkammer gestört, kann sie nicht genug sauerstoffreiches Blut in den Kreislauf und die Organe pumpen. Dann spricht man von einer Linksherzinsuffizienz. Bei der Globalen Herzinsuffizienz wiederum sind beide Herzkammern in einer Kombination aus Links- und Rechtsherzinsuffizienz betroffen.

Ist der Herzmuskel stattdessen versteift oder zu dick – zum Beispiel aufgrund von zu hohem Blutdruck oder einer Herzkrankheit – wirkt sich das auf seine Ansaugkraft aus. Dann spricht man von einer diastolischen Herzinsuffizienz. Dabei öffnen sich zum Beispiel die Herzkammern nicht weit genug, um sich mit genügend Blut zu füllen. Die Pumpfunktion des Herzens kann dabei aber durchaus normal sein.

Die Ursachen einer Herzinsuffizienz

Sieben von zehn Herzpatienten leiden infolge einer Koronaren Herzkrankheit an einer Insuffizienz. Ihre Herzkranzgefäße sind aufgrund von Arteriosklerose „verkalkt“. Das heißt: Sie verengen sich bis zum kompletten Verschluss und beeinträchtigen dabei die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur. Neben der Arteriosklerose schädigt auch ein dauerhaft zu hoher Blutdruck den Herzmuskel. Infolge einer solchen Hypertensiven Herzkrankheit wird der Herzmuskel dicker und steifer. 20 bis 30 Prozent aller Patienten sind aufgrund eines zu hohen Blutdrucks von einer Herzinsuffizienz betroffen. Bei weiteren fünf bis zehn Prozent liegt die Ursache an verschieden Formen angeborener oder erworbener Herzklappenfehler (Valvuläre Herzkrankheit). Herzklappen können zum Beispiel verengt sein und vor der betroffenen Herzkammer zu einer Druckbelastung führen. Sie können aber auch undicht sein, so dass das Herz eine Volumenbelastung erfährt. Herzklappenfehler werden in erster Linie bei einem Herz-Ultraschall diagnostiziert. Mithilfe dieser Echokardiographie lassen sich Art, Ursache und Schweregrad bestimmen. Die Magnetresonanz-Tomographie (Kardio-MRT) kommt für ICD-Patienten meist nicht in Frage, invasive Herzkatheterverfahren, die mit Kontrastmitteln arbeiten, hingegen schon. Weitere fünf bis zehn Prozent der Patienten leiden aufgrund von Kardiomyopathien an einer Herzinsuffizienz. Darunter fallen ein verdickter Herzmuskel (hypertrophe Kardiomyopatie), eine Erweiterung der Herzhöhlen (Dilatative Kardiomyopathie), eine Herzerkrankung infolge einer Entzündung (Myokarditis) oder eine toxische Herzinsuffizienz infolge von Vergiftung, zum Beispiel durch zu hohen Alkoholkonsum.

Die Symptome im Überblick

Je nach Schweregrad und Art der Herzinsuffizienz können unterschiedliche Beschwerden auftreten: z. B. Atemnot beim Treppensteigen oder bei anderen körperlichen Belastungen – in fortgeschrittenem Stadium auch bereits in Ruhe. Zudem sind bei einer Herzinsuffizienz Wassereinlagerungen (Ödeme) möglich, z. B. in der Lunge oder den Beinen bzw. am Fußrücken (Betroffene merken, dass die Schuhe nicht mehr passen). Nachts kann es zu vermehrtem Wasserlassen kommen (wenn die Wassereinlagerungen während des Schlafs aus dem Gewebe zurückfließen und ausgeschieden werden). Betroffene schlafen teilweise mit erhöhtem Oberkörper bzw. mit einem Kissen unter dem Rücken, da bei aufrechter Haltung die Wassereinlagerungen in der Lunge abnehmen und somit das Atmen im Schlaf erleichtert wird. Häufig zeigt sich bei einer Herzinsuffizienz eine verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Zudem können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Tabelle Symptome der Herzschwäche

 

Die Therapie der Herzinsuffizienz

Die Behandlung der Herzinsuffizienz erfolgt auf verschiedenen Wegen. Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker oder Diuretika sind für viele Patienten unerlässlich. So muss eine systolische Herzinsuffizienz in jedem Fall medikamentös behandelt werden. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz müssen auch die Begleiterkrankungen medikamentös behandelt werden, vor allem bei arteriellem Bluthochdruck. Therapien zur Resynchronisation des Herzrhythmus, Schrittmacher oder ICD helfen wiederum, den Herzrhythmus ins Lot zu bringen.

Die wahren Ursachen der Herzinsuffizienz

Mit zwei ernüchternden Tabellen kam Dr. Zandt schließlich noch einmal auf seine eingangs ausgesprochene Hoffnung zurück, dass Herzinsuffizienz-Patienten ihre Krankheit durchaus ernst nehmen sollten. Die erste Tabelle zeigte, dass die Herzkrankheiten noch vor den Krebserkrankungen die höchsten Sterberaten haben. Die zweite Tabelle zeigte dann die tatsächlichen Gründe, die zum Ranking in der ersten Tabelle führen: dies sind vor allem Tabakkonsum, schlechte Ernährung, mangelnde Bewegung, Alkohol und Infektionskrankheiten. Das heißt, der wahre Grund für die Ausprägung einer Herzkrankheit ist häufig nicht angeboren, sondern liegt nicht selten im ungesunden Lebenswandel der Patienten begründet.

Was können Herzpatienten selbst tun?

Dr. Zandt legte den Teilnehmer_innen des Gesprächskreises noch einmal nahe, dass sie selbst Einfluss darauf nehmen können, wie ihre Krankheit weiter verläuft. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist ein guter Schritt. Er kann zum Beispiel KHK-Patienten dabei helfen, dass ihre Herzkranzgefäße nicht weiter verkalken. Eine herzgesunde Ernährung ohne Diäten, aber mit einer pflanzlich orientierten und vollwertigen Kost, viel Gemüse und ausreichend Flüssigkeit (am besten Wasser) ist förderlich für das Wohlbefinden und senkt die Blutfettwerte. Fleisch und Süßigkeiten sollten wiederum nicht zu oft auf dem Speiseplan stehen.

Auch das Thema Bewegung ist wichtig. Gerade Patienten, deren Herz keine volle Leistungsfähigkeit mehr hat, sollten sich körperlich bewegen. Denn das Herz ist ein Muskel und nur ein Muskel, der trainiert wird, bleibt fit. Aus diesem Grund ist es auch nicht ratsam, ausschließlich die Ausdauer zu trainieren. Im Gegenteil: Patienten, die ihre Kraft trainieren, tun ihrem Herzen ebenfalls einen Gefallen und senken auch ihr Sturzrisiko im Alter. Alle Sportarten und Übungen sollten natürlich nach einer gründlichen Anamnese individuell auf das Krankheitsbild abgestimmt werden. Grundsätzlich aber gilt: 3 x 30 Minuten Ausdauer- und Krafttraining sind für Herzpatienten hilfreich – auch und gerade für Defi-Patienten.

 

Video: © Biotronic
Text: Birgit Schlepütz
Foto: J. Georg Duchna

 

 

Quellen:

 

[1] Deutsche Herzstiftung; www.herzstiftung.de