Für den letzten Online-Gesprächskreis in 2022 hatte Gastreferent Dr. med. Marcus Möllenberg ein komplexes Thema im Gepäck: Es ging um die sehr vielseitige Krankheit „Sarkoidose“, die sich auch auf das Herz auswirken kann.

Nach beinahe zwei Jahren kann man wohl sagen: Die Online-Gesprächskreise sind ein festes Standbein im Angebot der Defi-Liga. Diesmal leuchteten 16 Bildschirmkacheln auf, nachdem Online-Organisator Georg Duchna den virtuellen Raum für die angemeldeten Teilnehmenden geöffnet hatte. Die Vorsitzende Angelika Däne begrüßte als Gastreferent diesmal Dr. med. Marcus Möllenberg, der in Mülheim an der Ruhr als Facharzt für Kardiologie und Pneumologie niedergelassen ist. Und schon ging’s los mit einer Präsentation über die vielen Facetten der Sarkoidose. Wie bei allen Gesprächskreisen üblich, stand Dr. Möllenberg nach seinem medizinischen Impuls auch für individuelle Fragen der Teilnehmenden zur Verfügung. Am Ende war es wie so oft: Die knapp zwei Stunden vergingen wie im Flug und die Teilnehmenden waren einmal mehr glücklich darüber, dass die Defi-Liga mit Dr. Möllenberg einen Mediziner eingeladen hatte, der das komplexe Krankheitsbild der Sarkoidose so verständlich und anschaulich erläuterte.

Sarkoidose: vielfältig, aber selten

Die Sarkoidose ist eine systemische Krankheit, die sich an verschiedenen Organen manifestieren kann. Das heißt: Unabhängig davon, wo sie im Körper sichtbar wird, ist immer der gesamte Organismus betroffen. Am häufigsten zeigt sich die Krankheit an der Lunge und den Lymphknoten. Die Sarkoidose kann aber auch andere Organe wie etwa die Haut, die Augen, die Nieren oder das Herz betreffen. Wer erkrankt ist, entwickelt an den Organen mikroskopisch kleine Knötchen. Warum diese sogenannten Granulome entstehen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Forscher*innen sehen infektiöse Erreger wie Viren und Bakterien als Auslöser an, welche zusammen mit einer genetischen Veranlagung zu einer überschießenden Antwort des Immunsystems führt. Diese genetische Disposition kann vererbt werden.

Anders als etwa in den USA, erkranken in Deutschland etwa gleich viele Männer und Frauen an einer Sarkoidose. Die absoluten Zahlen für Deutschland zeigen, dass die Erkrankung etwa 40 von 100.000 Menschen betrifft und damit recht selten ist. Am häufigsten erkranken Menschen zwischen dem 20sten und dem 40sten Lebensjahr. Kinder und Menschen, die älter als 70 Jahre sind, erkranken äußerst selten.

Die Herzsarkoidose

Bei einer Herzsarkoidose bilden sich die Granulome an unterschiedlichsten Stellen im Herzen – dies kann am elektrischen Erregungssystem sein, aber auch am Herzmuskel. Für Herzpatient*innen ist relevant, dass eine Herzsarkoidose zu Herzrhythmusstörungen oder einer verminderten Herzleistung führen kann. Bilden sich die Granulome im Erregungssystem, können sie etwa im Sinusknoten die Entstehung derjenigen Impulse stören, die den Herzrhythmus erzeugen. Womöglich stören sie aber auch die Weiterleitung dieser Impulse zu den Muskelzellen des Herzens und beeinträchtigen damit faktisch den Herzschlag. Entstehen die Granulome direkt im Herzmuskel, können sie das Herz schwächen und zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder auch zu schnellen Herzrhythmusstörungen führen.

Symptome

So vielfältig wie ihre Manifestation sind auch die Symptome der Sarkoidose. Zu den allgemeinen Symptomen gehören Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Schweißausbrüche und Fieber. Abhängig von den befallenen Organen sind auch spezifische Symptome beschrieben. So sind etwa trockener Husten, Schmerzen im Brustkorb und Atembeschwerden typisch für eine Lungensarkoidose. Hautknötchen und bräunlich-rote Hautverfärbungen – vor allem an den Unterschenkeln – wurden bei der Hautsarkoidose beschrieben. Bei einer Herzsarkoidose wurden Herzstolpern und Kurzatmigkeit beobachtet.

Das trickreiche an der Erkrankung ist jedoch, dass sowohl die Sarkoidose als auch die Herzsarkoidose symptomfrei auftreten können. Vielfach werden die Granulome deshalb zufällig entdeckt – etwa bei einem Röntgenbild oder bei einer Gewebeprobe. Bei der Herzsarkoidose kommt hinzu, dass sie recht selten ist und deshalb oft erst spät erkannt wird. Erste Hinweise zur Diagnose liefert ein Langzeit-EKG. Mit Hilfe einer Computer Tomographie (CT) oder einer Positronen Emissions-Tomographie (PET) kann die Radiologie die Granulome sichtbar machen. Auch die Magnet Resonanz Tomographie (MRT) kann Hinweise zu den Granulomen geben. Als magnetbasierte Untersuchungsmethode ist ein MRT allerdings für viele ICD-Patienten nicht möglich.

Verlauf und Therapie

Man unterscheidet zwischen einer akuten sowie einer chronischen Form der Sarkoidose. Die akute Sarkoidose (Löfgren-Syndrom, nach Sven Löfgren) heilt häufig ohne Folgen von selbst aus. Dennoch sollten Betroffene nach der Diagnose zwei Jahre lang alle sechs Monate vom Facharzt eine Kontrolluntersuchung durchführen lassen. Bei der chronischen Form ist Kortison der Wirkstoff der Wahl. Bei Bedarf kommen eventuell auch immunsuppressive Medikamente zum Einsatz. Da die Sarkoidose eine systemische Krankheit ist, sind oft mehrere Organe gleichzeitig betroffen. Am häufigsten zeigen sich die Granulome in der Lunge, weshalb für Herzpatienten der Austausch zwischen Kardiologen und Pulmologen für eine erfolgreiche Therapie wichtig ist.

Über den Referenten Dr. med. Marcus Möllenberg

Dr. Marcus Möllenberg ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Pneumologie. Langjährige Erfahrungen konnte er am Herzzentrum Bad Oeynhausen sowie am Lungenzentrum Kloster Grafschaft sammeln. Zudem hat Dr. Möllenberg wissenschaftlich auf dem Gebiet der präventiven Kardiologie publiziert und dadurch mit Vorträgen auf Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Pneumologie beigetragen. Seit 2017 ist Dr. Möllenberg Mitglied der Arbeitsgruppe für Präventive Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Text: Birgit Schlepütz