Georg Duchna überreicht Rolf Möllmann einen kleinen Dank für seinen engagierten Vortrag. Foto: © Birgit SchlepützGeorg Duchna überreicht Rolf Möllmann einen kleinen Dank für seinen engagierten Vortrag.
Foto: © Birgit Schlepütz
Rolf Möllmann lebt in Mettingen, ist Operator in der Chemie, Feuerwehrmann bei der Feuerwehr Osnabrück und Mettingen, und aktiv bei der Aktion Lebensretter e.V.. Dort engagiert er sich dafür, dass Menschen bei einem Plötzlichen Herztod besser, schneller und häufiger reanimiert werden können. Einerseits durch eine möglichst flächendeckende Einführung von Defis in öffentlichen Gebäuden, bei Organisationen wie Soprtvereinen sowie an öffentlich zugänglichen Orten. Hinzu kommt die Öffentlichkeitsarbeit für die Notfallrettung. Denn Rolf Möllmann weiß, dass viele Menschen Angst haben, etwas falsch zu machen, wenn sie einen Menschen reanimieren sollen. Um mit dieser Angst aufzuräumen, brachte er zum letzten Gesprächskreis vor den Sommerferien nicht nur viele wichtige Informationen über die Notfallhilfe mit. Er hatte auch einen Vorführ-Defi und eine Test-Puppe dabei, an denen alle ihr neues Wissen ausprobieren konnten.

Jährlich erleiden in Deutschland 80.000 Menschen und in den USA 250.000 Menschen einen Plötzlichen Herztod. Er ist damit eine der häufigsten Todesursachen der westlichen Welt. Häufigste Ursache für den Plötzlichen Herztod ist wiederum das Kammerflimmern. Dabei zuckt das Herz nur noch und pumpt kein Blut mehr, so dass der Kreislauf zusammenbricht und die Gehirnfunktion erlischt.  Nur ein Elektroschock kann dann erreichen, dass das Herz wieder aufhört zu zucken. Sodann muss es per Druckmassage animiert werden, wieder zu schlagen. Umgehende Hilfe ist hier entscheidend, denn mit jeder Minute Verzögerung verringert sich die Wiederbelebungswahrscheinlichkeit um 10 Prozent.

Prüfen

Findet man eine ohnmächtig zusammengebrochene Person, ist sofortiges Handeln entscheidend. Zunächst sollte man prüfen, ob die betroffene Person weder auf lautes Zurufen, Zwicken oder Kneifen reagiert noch normal atmet. Auch Schnappen und Röcheln gelten in diesem Fall nicht als normale Atmung!

Rufen

Reagiert oder atmet die Person nicht, sollte man im zweiten Schritt den Rettungsdienst rufen und dann sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Das heißt: den Patienten auf den Rücken legen und seinen Kopf überstrecken. Dazu greift man mit einer Hand an die Stirn der bewusstlosen Person und hebt mit der anderen Hand das Kinn leicht an. Blockieren Speisereste oder etwas ­anderes im Mund die Atemwege, sind diese zu entfernen. Im Idealfall sollte dies nicht länger als 20 Sekunden dauern.

Drücken

Für die eigentliche Herzdruckmassage kniet man sich neben die bewusstlose Person und legt den Handballen der einen Hand in die Mitte zwischen den Brustwarzen auf das Brustbein. Anschließend den Handballen der anderen Hand auf die erste Hand legen und die Ellbogen durchstrecken. Dann heißt es, mit Unterstützung des eigenen Körpergewichts das Brustbein der Person mindestens 5 cm tief eindrücken. Sofort wieder nachlassen, damit das Brustbein wieder in seine Ausgangslage zurückkehren kann. Das Tempo der Druckmassage ist optimal, wenn man das Brustbein mindestens 100-mal pro Minute oder 2 Mal pro Sekunde eindrückt. Diese Druckmassage sollte man fortsetzen, bis der Rettungswagen eintrifft. Sind andere Personen anwesend, können sie einander abwechseln, denn der Vorgang ist anstrengend. Zudem ist es möglich, dass durch den heftigen Druck, den man für eine wirkungsvolle Herzmassage ausüben muss, Rippen brechen. Das sollte jedoch niemanden ängstigen. „Das einzige“ so Rolf Möllmann, „was man wirklich falsch machen kann, ist, keine Hilfe zu leisten.“

Hilfe durch einen externen „Laien-Defi“

Ist man alleine zur Rettung vor Ort, hat die Druckmassage bis zum Eintreffen des Rettungswagens absoluten Vorrang. Sind weitere Personen anwesend, kann jemand nachschauen, ob ein Externer Automatisierter Defi (AED oder Laien-Defi) in der Nähe ist. Ist dies der Fall, kann dieser dabei helfen, das Herz durch einen Elektroschock aus dem zuckenden Modus des Kammerflimmerns in den Stillstand zu befreien. Sodann muss aber sofort wieder die Druckmassage einsetzen, denn nur sie kann das Herz wieder zum Schlagen bringen – und in der Folge das Gehirn mit dem lebenswichtigen Sauerstoff versorgen. Alle Rettungswagen führen standardmäßig Defibrillatoren mit sich.

Der Externe Automatisierte Defi (AED)

Der AED ist ein kleines, tragbares und benutzerfreundliches Gerät, das auch von Laien benutzt werden darf. Wichtig ist, dass untrainierte Ersthelfer exakt den Anweisungen folgen, die das Gerät mittels Sprachsteuerung gibt. Sie führt sie automatisch durch die einzelnen Schritte der Defibrillation. Ein AED verfügt über ein eigenes Analysesystem, dass nach dem Aufkleben von Flächenelektroden auf dem Brustkorb des Patienten eine EKG-Analyse macht. Stellt die Analyse ein Kammerflimmern fest, fordert sie den Ersthelfer auf, per Knopfdruck einen Stromstoß abzugeben, um das Kammerflimmern zu beenden. Anschließend analysiert der AED erneut das EKG und fordert bei beendetem Kammerflimmern zur weiteren Herz-Druck-Massage auf. Wichtig: Wer hinsichtlich der Benutzung eines AED unsicher ist, sollte sich auf die Druckmassage konzentrieren, bis der Rettungswagen mit den ausgebildeten und geübten Rettungssanitätern eintrifft.

Mund-zu-Mund-Beatmung

Ralf Möllmann empfiehlt jedem, der die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht sicher beherrscht, sich im Notfall auf die Herzdruckmassage zu beschränken. Wer jedoch die Mund-zu-Mund-Beatmung sicher beherrscht, sollte nach 30 Herzdruck­massagen 2 Mal eine Atemspende geben und diese Routine so lange durchführen, bis der Rettungswagen eintrifft.

Defi für zu Hause?

Wer mit Herzpatienten lebt, sollte in jedem Fall regelmäßig die Druckmassage üben. Wer sich zusätzlich sicherer fühlt, wenn er auch zu Hause einen Defibrillator zur Stelle hat, sollte in jedem Fall einen Kurs besuchen. Erhebungen zu Erfahrungen mit privat genutzten Defibrillatoren liegen zur Zeit noch nicht vor.

Die Defi-App der Deutschen Herzstiftung

Bei der Suche nach öffentlich zugänglichen AEDs hilft die App „Defikataster“. Diese wird von Definetz e.V. bereitgestellt. Diese App kann jeder kostenlos auf sein Handy laden. Unter den vielen Apps, die man so auf dem Handy hat, ist sie tatsächlich eine, die helfen kann, Leben zu retten.

Hier können Sie die App herunterladen:

Text & Foto: Birgit Schlepütz

Quellen:

  • Vortrag Ralf Möllmann
  • Informationen der Deutschen Herzstiftung